Archäologische Funde – Das Kloster unter dem Quartier Brinkerhof in Borken
Bauarbeiten im historischen Stadtkern werden archäologisch begleitet
BORKEN | pd | Im Vorfeld der geplanten Errichtung eines Gesundheitszentrums und des Neubaus der Caritas im sogenannten Quartier „Brinkerhof“ im historischen Stadtkern von Borken haben Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und eine Fachfirma bei archäologischen und geophysikalischen Untersuchungen Entdeckungen gemacht: vielschichtige Befunde vom Hochmittelalter bis in das 20. Jahrhundert sowie massive Fundamentreste der ehemaligen Kirche des Klosters Marienbrink.
Klosterkirche und Bunker
Bereits 2024 führten Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen südlich der Caritas-Gebäude Sondagen und geophysikalische Messungen durch. „Hierbei stießen wir zum ersten Mal auf Überreste der ehemaligen Klosterkirche, die im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt“, erklärt Dr. Andreas Wunschel von der LWL-Archäologie für Westfalen. Teile der West- und Südwand hätten die Forschenden entdeckt, vermessen und dokumentiert.
Weitere Erkenntnisse konnten Ende 2025 die Arbeiten einer beteiligten archäologischen Fachfirma beitragen: „Die Fundamente der Kirche sind in Teilen außergewöhnlich gut erhalten. Wir konnten eine bis zu 1,25 Meter breite Außenmauer mit einer Fundamenthöhe von rund 1,60 Metern nachweisen“, erläutert Grabungsleiter Dr. Ulrich Holtfester. Die Mauern bestehen aus rotem Backstein mit Kalkmörtel und lagen teils unter mächtigen Schuttschichten verborgen.
Bereits 2024 wurde südwestlich der Kirche ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Nach ersten Einschätzungen nimmt dieser ein größeres Areal in der Vorhabenfläche ein.
Mittelalterliche Siedlungsspuren
Auch im Bereich einer geplanten Tiefgaragenzufahrt hat die Fachfirma zwischen Oktober und November 2025 in zwei Schnitten den Untergrund der Gartenflächen untersucht. Sie konnte verfüllte Keller der Altbebauung, eine Tierkadavergrube sowie Gruben und Pfostenlöcher der frühen Neuzeit dokumentieren. Das geborgene keramische Fundmaterial stammt aus dem ausgehenden Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Die Befunde zeigen, dass dieser Teil des historischen Ortskerns von Borken über Jahrhunderte hinweg dicht bebaut und „kontinuierlich überprägt“ wurde.
Archäologische Bedeutung des Areals
Das Untersuchungsgebiet liegt im Umfeld der Pfarrkirche St. Remigius, deren Gründung auf einen königlichen Missionsstützpunkt bzw. (bischöflichen) Haupthof um das Jahr 800 zurückgeht.
„Im historischen Stadtkern von Borken ist grundsätzlich von einer hervorragenden und tiefreichenden Befunderhaltung mit komplexer Stratigraphie auszugehen“, betont LWL-Archäologe Wunschel. Das heutige Straßenbild weicht dabei mitunter deutlich vom historischen Verlauf ab. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein sehr großer Teil der Wohn- und Geschäftshäuser zerstört. Beim Wiederaufbau wurden unter anderem die Straßenführungen verändert und auch die Neubebauung umorientiert.
Synagoge und Kloster als Teil des kulturellen Erbes
Im Vorhabenbereich kommt dem ehemaligen Kloster Marienbrink eine besondere Bedeutung zu. Seine Ursprünge reichen bis in das Spätmittelalter zurück. In und um die ehemalige Klosterkirche ist laut des Archäologie-Teams auch mit Grablegen im Untergrund zu rechnen.
Nach der Aufhebung des Klosters im frühen 19. Jahrhundert wurde auch die Kirche abgebrochen. Seit 1818 befand sich hier außerdem eine Synagoge mit angeschlossener Schule und Mikwe, einem jüdischen Tauchbad. Teile der früheren Klosteranlage wurden hierfür nachgenutzt. Während der Novemberpogrome 1938 kam es zu starken Zerstörungen, zum Abriss der Synagoge 1939. Im Zuge der archäologischen Arbeiten konnten allerdings keine Befunde aufgedeckt werden, die mit Synagoge oder Mikwe klar in Verbindung zu bringen wären, so die Expertinnen und Experten.
Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)



