Blick über die Kreisgrenze – Die fast unglaubliche Geschichte des Klaus Paffen
Wer dem 71-jährigen Pensionär zuhört, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus
SCHERMBECK | bd | Viele Episoden aus dem Leben des 71-jährigen, pensionierten Beamten Klaus Paffen, der mit seiner Familie in Schermbeck-Bricht lebt, klingen für Außenstehende wie Seemannsgarn. Tatsächlich aber kann der ehemalige Polizeihauptkommissar und Vater von sechs Kindern nicht nur auf ein spannendes und bewegtes beruflich/privates Leben, sondern auch auf zahlreiche und teilweise kuriose Hobbies zurückblicken, denen er allesamt mit großer Hingabe und Professionalität nachging und auch heute noch nachgeht.
BD-Redakteur Michael H. Schmitt hat den Bastler an seinem Wohnsitz in ländlicher Idylle besucht und hatte Gelegenheit, dem agilen Pensionär bei seiner Arbeit in der Pfeifenwerkstatt über die Schulter zu schauen. Doch bevor Paffen den Autor in die verwinkelten Kellerräume des Anwesens führte, berichtete er von seinen Aktivitäten außerhalb seines beruflichen und familiären Alltags.
Traum vom Besegeln der Weltmeere war schnell ausgeträumt
In relativ jungen Jahren verfolgte der gelernte Bauzeichner neben seinem Beruf eigentlich zwei Ziele: Erstens absolvierte er neben der Polizeischule eine Flugausbildung und erwarb ganz nebenbei die Privatpiloten-Lizenz für einmotorige Flugzeuge. Gleichzeitig setzte er sich in den Kopf, mit eigenem Segelschiff irgendwann zu den Malediven zu segeln. Nun hätte er sich dazu vielleicht einen gebrauchten Segler kaufen können, bevorzugte es aber, selbst Hand anzulegen und baute einen stählernen Schiffsrumpf von 16,5 Metern Länge und mehr als 38 Tonnen Gewicht. Nach einigen Törns wurde aber schnell klar, dass seine große Liebe, mit der er auch heute noch glücklich verheiratet ist, das Segeln gesundheitlich kaum ertragen konnte. Insofern hängte auch er wenig später die Segelei an den Haken und verkaufte schweren Herzens seinen Eigenbau.


Vom Gitarristen zum Dudelsack-Spieler
In den Folgejahren widmete Paffen sich dann einem weiteren Hobby – der Musik. Das Spielen auf der Gitarre und das Singen in einer Band (durchaus mit professionellem Anspruch) brachte zwar viel Spaß und lange Freundschaften zu seinen musikalischen Wegbegleitern, aber offenbar genügten diese nebenberuflichen Aktivitäten nur teilweise seinen Ansprüchen. Insofern war es eigentlich nur konsequent, dass er sich einem sehr speziellen Instrument widmete, dem Dudelsack. Nachdem er entdeckt hatte, dass er auch dafür hinreichend Talent besaß, gründete er mit einigen Gleichgesinnten gleich einen Pipe & Drums-Verein, der im Laufe der Zeit 120 Mitglieder hinter sich vereinte und noch heute bei großen Anlässen als „McBricht Greenland Pipes & Drums“ gastiert. Paffen selbst ist heute nicht mehr aktiv mit dem Dudelsack unterwegs, hält seinem Verein aber als „Ehren Pipe Mayor“ die Stange.

Vom Dudelsack zu Bauchredner-Puppen
Noch während und nach seiner Dudelsack-Karriere entdeckte Paffen dann ein weiteres Betätigungsfeld für sich: Den Bau von Bauchredner-Puppen. Und auch hier waren schnell Ideen und Geschicklichkeit gefragt, um den vielen Anfragen aus der Welt der Bauchredner gerecht zu werden. Nicht lange dauerte es, bis der aus diversen TV-Formaten bekannte Künstler Sascha Grammel auf den Schermbecker aufmerksam wurde und auch er sich eine Puppe aus Händen des Puppen-Bauers anfertigen ließ. Von diesem Betätigungsfeld zeugen heute noch einige Exemplare in den Kellergewölben seines Wohnsitzes. Wer seine Pfeifenwerkstatt besuchen möchte, kommt an diesen Figuren nicht vorbei – einige von ihnen sind fertiggestellt, andere noch im „Bauzustand“.
Aufgrund der vielfältigen Aktivitäten musste er in all den Jahren seine große Leidenschaft, das Fliegen, in den Hintergrund stellen. Diese Tatsache stellte den Privat-Piloten nicht zufrieden. Also forcierte er nach seiner Puppenbau-Zeit die Fliegerei wieder, legte sich zunächst einen motorisierten Gleitschirm und später ein Ultraleichtflugzeug zu. Gleichzeitig absolvierte er in vielen Ausbildungsstunden (ebenfalls nebenberuflich) den Fluglehrerlehrgang und bildet bis heute Flugschüler aus.
Nun hat der Pfeifenbau Priorität
Dass dem Pensionär allein die Fliegerei und die Zeit als Fluglehrer noch so viel Zeit lässt, dass aus einer eher zufälligen Idee eines Freundes nun das Bauen von Pfeifen auf dem Hobby-Programm steht, mag man als Zuhörer kaum glauben – man muss es vielleicht doch einfach mal gesehen haben. „Eines muss ich aber vorwegschicken“, betont Paffen dann durchaus mit allem gebotenen Ernst im Gespräch. „Rauchen ist gesundheitsschädlich, das Bauen von Pfeifen allerdings nicht. Mir liegt es fern, Jugendlichen das Rauchen zu empfehlen – im Gegenteil. Und dennoch gibt es weltweit einen unglaublich großen Markt für Pfeifenraucher.“
Albert Einstein, Mark Twain, Herbert Wehner und viele andere Persönlichkeiten zählten zu den leidenschaftlichen Pfeife-Rauchern. Paffen selbst „pafft“ auch hin und wieder eine der angefertigten Pfeifen – als Genuss, wie er betont.
Und dabei ist der Pfeifenbau alles andere als ein alltägliches Handwerk. Allein die Tatsache, dass der begehrte Holzrohstoff (Bruyère-Holz), der aus der Wurzelknolle der mediterranen Baumheide stammt, sehr rar auf dem Rohstoffmarkt ist, macht den Pfeifenbau nicht einfacher. Hinzu kommt, dass große asiatische Unternehmen den Markt dieses Holzes fast leer gekauft haben. Insofern ist das Bauen von Pfeifen, abgesehen von den erforderlichen, handwerklichen Fähigkeiten, mit viel Enthusiasmus verbunden. Nur wenige Handwerker dieser Zunft haben es auf den umstrittenen Markt geschafft und können vom Bau der seltenen Pfeifen leben.
„Das ist im Übrigen auch gar nicht mein Anspruch. Ich betreibe das, was ich da tue, tatsächlich als Hobby und auch ein wenig aus gesundheitlichen Gründen. Ich komme bei der Arbeit in meiner Werkstatt richtig zur Ruhe“, beschreibt Paffen seine Beweggründe. In seiner Werkstatt blüht der aktive Siebziger richtig auf. Ein Lächeln schleicht über sein Gesicht, als er die Schleifmaschine anwirft, um das rohe Stück Holz zu bearbeiten. In seinen Augen lesbare Leidenschaft. Wahrscheinlich wie immer, wenn er sich einem seiner vielen Hobbies zuwendet.
Offenbar sind die Ideen des Pensionärs auch im Pfeifenhandel angekommen. Zumindest regional ansässige Händler haben ein paar der Werke des Schermbeckers bereits im Sortiment. Die Pfeifen sind Unikate und benötigen nicht selten rund 15 bis 20 Stunden Handarbeit, bis aus dem Rohling eine auf Hochglanz polierte, ansehnliche Pfeife wird.

Mehr über den Pfeifenbau und die angefertigten Exemplare stellt Klaus Paffen auf seiner Homepage zur Verfügung.
Anmerkung der Redaktion:
Der Autor dieses Beitrages (Michael H. Schmitt) und der Pfeifenbauer kennen sich seit mehr als 50 Jahren. Immer wieder sind sich beide auf ihrem Weg in freundschaftlicher Verbundenheit und mit allem Respekt begegnet. Am Ende kommt der Autor zu folgendem Schluss: „Diese Geschichte ist ganz bestimmt noch nicht zu Ende erzählt. Ich freue mich schon auf weitere, spannende Aktivitäten des Schermbeckers. Insofern hat sich der Blick über die Kreisgrenze hinaus richtig gelohnt.“
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