Ein Jahr im Amt – Südlohns Bürgermeister Markus Lask im Gespräch mit Burlo-Direkt
Herausfordernder Einstieg – Bilanz nach einjähriger Amtszeit
SÜDLOHN / OEDING | bd | Am 28.09.2025 wurde der Borkener Markus Lask bei den Kommunalwahlen nach einer Stichwahl zum Bürgermeister der Gemeinde Südlohn/Oeding gewählt. Bis zu diesem Zeitpunkt war er in der Gemeindeverwaltung als Fachbereichsleiter „Zentrale Dienste und zentrale Steuerung“ und allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters eingesetzt und übernahm am 04. November 2025 offiziell den (symbolischen) Schlüssel zum Rathaus aus Händen seines Vorgängers Werner Stödtke (BD berichtete).
Nun, nach einem Jahr Amtszeit, sprach der 53-jährige, in Borken lebende Familienvater, mit BD-Redakteur Michael H. Schmitt über das bisher Erreichte, die Ziele für die kommenden Jahre seiner Amtszeit sowie über dienstliche und persönliche Belange, die sein Aufgabengebiet prägen.
Herausforderung zum Einstieg
„Herausfordernd war direkt zu Beginn meiner Amtszeit der Umstand, dass schon kurz nach der Wahlentscheidung die Haushaltsaufstellung auf dem Terminkalender stand. Aufgrund personeller Engpässe in der Kämmerei war die Aufstellung eine besondere Herausforderung. Dank des Kämmerei-Teams konnte jedoch ein Entwurf erstellt werden, dem Dank der sehr guten Zusammenarbeit mit allen beteiligten Gremien zugestimmt wurde“ beschreibt Lask die ersten Tage und Wochen im Amt.

Foto: © Gemeinde Südlohn
Tatsache ist, dass im Haushalt zunächst mit einem Defizit von 2,5 Millionen Euro geplant wurde. Dieses Defizit wird aber, so Lask, in diesem Haushaltsjahr nicht erreicht. Für das Jahr 2025 wurde im Jahresabschluss ein Defizit von circa einer halben Million Euro festgestellt. Trotzdem sieht Lask auch in den kommenden Monaten noch viele Herausforderungen was die Gemeindefinanzen anbetrifft. „Das kleinere Defizit ist zwar schön, verdeckt aber nicht die Tatsache, dass die finanzielle Situation enger wird. Hinzu kommen enorme Investitionsbedarfe – Schule, Feuerwehr, Bauhof, Straßen, Abwasser und vieles mehr. Insofern müssen wir bei den Ausgaben schon sehr gut aufpassen. Die relativ hohe Ausgleichsrücklage wird uns zumindest beim gesetzlich geforderten Haushaltsausgleich helfen. Am Ende sind wir auf kommunaler Ebene die letzten in der – wenn ich das mal so ausdrücken darf – Nahrungskette und haben auf viele Dinge überhaupt keinen Einfluss. So reichen Landschaftsverband und Kreis Borken Umlagen in nicht unerheblicher Höhe an uns Kommunen weiter. Auch die bisher starken Kommunen im Westmünsterland haben mittlerweile mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen. Dies zwingt zur Sparsamkeit und überlegten Investitionsentscheidungen. Da sind sich alle Bürgermeister, glaube ich, auch einig. Insofern ist eine Strukturreform, was die Finanzierung der Gemeinden anbetrifft, dringender als je zuvor. Meiner Meinung nach ist die Gemeindefinanzierung, die derzeit in vielen Bereichen über hochbürokratische und komplizierte Fördertöpfe abgewickelt wird, nicht mehr zeitgemäß.“
Bürokratischer Aufwand oftmals absurd
Dass der Schuh während der täglichen Arbeit vor allem bei der nach wie vor überbordenden Bürokratie drückt, brachte Lask im Gespräch deutlich zum Ausdruck. „Tatsächlich ist das Wort Bürokratieabbau, das im politischen Raum allerorten inflationär benutzt wird, schnell daher gesagt. Angekommen ist der Abbau in den Kommunen bislang aber nicht. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass die Vorgänge immer komplizierter und nicht einfacher werden.“ Als Beispiel werden oftmals Förderzusagen erteilt, beschreibt er weiter, aber dann auch an die zugesagten Mittel zu gelangen, ist nur mit sehr hohem Verwaltungsaufwand möglich. An diesen Stellschrauben muss dringend nachjustiert werden – so die Meinung des Bürgermeisters.
Verwaltungsrechtliche Stolpersteine gibt es allerdings auch noch in vielen anderen Bereichen. „Einige davon tragen dann auch geradezu absurde Züge. Wir wollten eine Gewerbefläche erweitern und mussten dann aus Natur- und Artenschutzgründen feststellen, dass sich auf der Fläche Kiebitze angesiedelt haben. Diese geschützte Vogelart muss also zunächst umgesiedelt werden, bevor das Land gewerblich genutzt werden kann. Für jedes dieser Kiebitzpaare müssen wir eine Ausgleichsfläche von 1,5 Hektar schaffen. Diese Ausgleichsfläche darf aber dem Artenschutz entsprechend nicht zu trocken, aber auch nicht zu feucht sein. Vor allem darf die Ausgleichsfläche nicht dort angesiedelt werden, wo es bewaldet ist, da sich dort ein Habicht als Feind des Kiebitzes aufhalten könnte. Dieser wiederum könnte dann ja die Kiebitz-Population gefährden.“ An dieser Stelle zuckt Markus Lask ein wenig resigniert mit den Schultern und lässt das Ende der Geschichte im geführten Gespräch offen.
In der täglichen Arbeit kommt es trotz dieser immer wieder auftauchenden Verwaltungs-Hürden dennoch zu vielen Begegnungen, die laut Lask das Bürgermeisteramt in der gelebten Realität ausmachen. So sei es ihm sehr wichtig, den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern zu pflegen. Er nutze jede Gelegenheit neben den vielfältigen Aufgaben im Büro des Rathauses, um mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Sei es während der Schützenfeste oder sonstigen Veranstaltungen, aber auch während der Bürgersprechstunden. „Mir ist es wirklich ein Anliegen, nicht als der Bürgermeister, sondern als Mensch Markus Lask wahrgenommen zu werden, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger hat. Ich glaube, dass mir das im ersten Jahr meiner Amtszeit ganz gut gelungen ist.“
Ortsumgehung Oeding soll bis Ende 2029 fertiggestellt sein
In der verbleibenden Amtszeit wird es in den beiden Gemeinden noch sehr viele und für alle Gemeindemitglieder spürbare Veränderungen geben. Gemeint sind die Ortsumgehung sowie die Inbetriebnahme der noch im Bau befindlichen Grundschule inklusive der OGS. „Tatsächlich freue ich mich auf diese Veränderungen, zeigt sich dadurch doch, dass es ab und zu zwar länger dauert, bis ein Stein ins Rollen kommt, am Ende aber alles im Sinne der der Gemeinde umgesetzt wird.“ So stehe er mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW im stetigen Kontakt. Von dort wurde signalisiert, dass man davon ausgehe, die geplante Ortsumgehung bis zum Herbst 2029 fertigzustellen.
Die in Teilen vorhandene Skepsis in der Bürgerschaft in Bezug auf eine zeitnahe Umsetzung kann man verstehen, wenn man weiß, dass die Ortsumgehung und entsprechende Überlegungen und Planungen bereits über 40 Jahre im Gange sind. „Mittlerweile ist in dieses Thema aber so viel „Drive“ gekommen, dass ich glaube, dass das anvisierte Fertigstellungsdatum durchaus realistisch ist,“ so Lask weiter.
Und was den Schulneubau anbetrifft, ist dies für mich ein weiteres Objekt, auf dessen Fertigstellung ich mich sehr freue – und dies nicht ohne Grund. Wir haben versucht, hier die funktional und wirtschaftlich beste Lösung zu finden, wobei die Inbetriebnahme für den Herbst 2027 vorgesehen ist.“

Als Schlusssatz des Gespräches, das im Büro des Bürgermeisters geführt wurde, hob Lask nochmals die positive, kooperative Zusammenarbeit in der Verwaltung, in den politischen Gremien und mit Vereinen, Institutionen und natürlich der gesamten Bürgerschaft hervor. „Die Zusammenarbeit in der Verwaltung funktioniert hier wirklich hervorragend – insofern ist vieles, was hier angepackt und umgesetzt wird, nicht allein Leistung des Bürgermeisters, sondern vor allem die des gesamten Teams. Ohne die tolle Unterstützung, die ich von Beginn an erfahren habe und sehr schätze, ließen sich viele Dinge nur sehr viel komplizierter und auch langwieriger umsetzen.
Und auch, wenn es hier und dort vielleicht mal hakt, was durchaus mal vorkommen kann – am Ende suchen wir alle für die Gemeinde nach optimalen Lösungen. Insofern hoffe ich, dass ich in meiner Amtszeit dazu einen Teil beitragen kann, die Gemeinden Südlohn und Oeding weiterhin so positiv zu entwickeln.“





