Pleiten, Pech und Pannen auf hoher See – Segler Martin Daldrup hat es kalt erwischt
Nach seinem Vortrag in Burlo startete der Segler zunächst zuversichtlich ins nächste Abenteuer und meldet sich nun aus dem Krankenhaus
BURLO / La Réunion | bd | Am 04. Februar 2026 war der Buchautor und Segler Martin Daldrup auf Einladung der Burlo-Direkt-Redaktion zu Gast im Forum Mariengarden. In einem spannungsgeladenen Multimediavortrag gab er an diesem Abend Einblicke in die Welt des Einhand-Segelns und berichtete unter anderem von seinem Untergang im Südatlantik. Nur wenige Tage nach dem Gastspiel in Burlo startete er bereits in das nächste Segelabenteuer auf seiner Yacht „Comeback“, die er für kurze Zeit im Hafen der südafrikanischen Hauptstadt unweit des Tafelbergs festgemacht hatte.
Sein Plan: Zunächst rund Kapstadt zur Insel la Réunion, von dort aus zu den Seychellen und im Anschluss auf seinem bisher längsten Einhand-Törn nach Australien zu segeln. Dort wollte er ein Versprechen einlösen und Freunde besuchen, denen er seit mehreren Jahren nicht mehr begegnet ist.

Soweit, so gut. Alles ging zunächst auch so auf, wie der Segler es sich vorgestellt hatte. Der Schlag nach La Réunion verlief ohne nennenswerte Probleme und auch der Aufenthalt auf der Inselgruppe der Seychellen war bis auf wenige Kleinigkeiten sehr schön und erholsam. Zumal er die Wochen auf den Inseln gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Anke Wirtgen verbringen konnte, bevor er wieder ins Cockpit der „Comeback“ stieg, um allein mehrere tausend Seemeilen in Richtung des australischen Kontinents, nach Fremantle, zurückzulegen.

Sehr wohl in dem Bewusstsein, dass dieser lange Törn – abgesehen von möglicher Proviant- und Trinkwasserknappheit sowie möglichen Schlechtwetterereignissen – viele und unvorhersehbare Risiken beinhaltete. Zu den drei höchsten Risiken schrieb Daldrup dazu – fast wie in einer Vorahnung – in seinem Facebook-Blog (Auszüge):
- „Die Bordapotheke ist auf der Comeback gut und sehr umfangreich ausgestattet…“
- „Chris ist in meinem Backoffice in Deutschland der Mediziner, der mir schon oft mit seinen Ratschlägen aus der Ferne helfen konnte. Jedoch gibt es da natürlich Grenzen…“
- „In schweren Fällen müsste ich zuerst versuchen, irgendwo einen Notstopp einzulegen, um in einem Hafen medizinische Versorgung zu bekommen…“
Zu diesem Zeitpunkt ahnte der Segler allerdings noch nicht, dass er schon bald nicht nur technische Lösungen für auftretende Probleme finden musste, sondern vielmehr dringend medizinische Hilfe benötigen würde. Schlimmer noch: Er musste schweren Herzens seine Langfahrt in Richtung Australien abbrechen und auf bestmöglichem Kurs und schnellstmöglich ein Krankenhaus ansteuern.
Nachdem er am 08. August 2026 gestartet war, setzten einige, kleinere und lösbare Probleme ein. So berichtete Daldrup von Schwierigkeiten mit der Satelliten-Ortung und dem GPS sowie von einem Schaden am Baum der Comeback – aber alles lösbar und schnell wieder in Ordnung gebracht. Dann der erste, größere Dämpfer: Ein Riss des Vorsegels, der mit eigenen Mitteln an Bord kaum zu beheben ist. Noch 5.000 Seemeilen von seinem Ziel entfernt, zwingt ihn der Schaden, einen Zwischenstopp zu planen, um das Segel an Land instand setzen zu lassen. Nach vielen Überlegungen und Abwägungen fällt er eine Entscheidung, die ihm unwissentlich wahrscheinlich das Leben rettete: Kurs auf La Réunion.
Am 17.08.2026 kommt es dann knüppeldick: Der Segler erkrankt schwer, hat starke Schmerzen und hohes Fieber. Er tippt auf Lebensmittelvergiftung und holt sich via Satellitentelefon Rat von seinem medizinischen Betreuer. In den folgenden Tagen stellt sich zwar zunächst etwas Besserung ein, aber die Kräfte gehen langsam zur Neige. Einige Kilogramm Gewichtsverlust zehren zusehends an seinen Kräften. „Land in Sicht, noch kanpp 15 Seemeilen. Bin froh, wenn ich angekommen bin,“ schreibt Daldrup dann fünf Tage später – merklich erleichtert – in seinem Blog.

Bis zum 25.08.2026 stellt sich erneut hohes Fieber ein und Martin Daldrup muss ins Krankenhaus. Dort diagnostiziert man eine Entzündung der Gallenblase. Wenige Stunden später – kurz nach der erfolgten Operation – meldet sich der Segler aus dem Krankenhaus. „Was für ein riesengroßes Glück, dass das Segel kaputt gegangen ist und ich mich aus dem Bauch heraus gegen die Malediven und für La Réunion als Reparaturstopp entschieden hatte. La Réunion gehört zu Frankreich und vieles ist auf hohem Standard. Jetzt braucht es Zeit und Geduld, um wieder ganz gesund zu werden.“
In einem heute geführten Telefonat beschreibt Martin Daldrup Redakteur Michael H. Schmitt, wie ernst es tatsächlich um ihn stand. „Die Entzündung war bereits so weit fortgeschritten, dass die Galle schon perforiert und Gallenflüssigkeit in den Bauchraum eingedrungen war. Insofern kann ich froh sein, dass mir hier die bestmögliche, medizinische Versorgung zuteil wird. Nochmal Glück gehabt, kann ich wohl sagen. Dass diese Umstände auch Auswirkungen auf meine Segelpläne haben werden, ist mir vor allem dadurch klar geworden, dass ich mich in den kommenden Wochen in vielen Dingen zurückhalten und erstmal richtig gesund werden muss. Laut Prognose der Ärzte gehe ich nun davon aus, dass die Auszeit wohl mindestens fünf bis sechs Wochen dauern wird, bevor ich wieder ans Segeln denken kann.“
Wir wünschen alles erdenklich Gute und viel Ruhe. Schließlich gibt es Wichtigeres, als solo nach Australien zu segeln.
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