Mit dem Pedelec sicherer unterwegs – Helm und passende Kleidung können Leben retten
Sicher unterwegs im Kreis Borken – Nicht nur der Kopf braucht Schutz
KREIS BORKEN | bd | Das Pedelec hat die Mobilität vieler Menschen verändert. Gerade für ältere Menschen bedeutet das Fahrrad mit elektrischer Unterstützung ein Stück zusätzliche Freiheit: Einkäufe, Arztbesuche, Besuche bei Freunden oder längere Radtouren lassen sich leichter bewältigen. Doch mit der wachsenden Zahl der Pedelecs steigt auch die Zahl der schweren Verkehrsunfälle. Besonders häufig trifft es ältere Radfahrerinnen und Radfahrer.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie ernst die Entwicklung ist: 2024 kamen bundesweit 192 Menschen auf einem Pedelec bei Verkehrsunfällen ums Leben. Fast 69 Prozent der tödlich verunglückten Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer waren 65 Jahre oder älter. Insgesamt wurden 25.862 Pedelec-Nutzerinnen und -Nutzer bei Verkehrsunfällen verletzt.
Auch im Kreis Borken ist das Thema längst Bestandteil der Verkehrssicherheitsarbeit. Die Kreispolizeibehörde weist selbst wiederkehrend auf die steigende Bedeutung von E-Bikes beziehungsweise Pedelecs für das Unfallgeschehen hin und bietet unter anderem spezielle Pedelec-Praxiskurse für ältere Menschen an (siehe BD-Beitrag).
Wenn aus einem Fahrrad plötzlich eine Herausforderung wird
Ein Pedelec fährt sich zunächst wie ein normales Fahrrad – und doch gibt es entscheidende Unterschiede. Der Elektromotor unterstützt beim Anfahren und Beschleunigen. Dadurch lässt sich relativ mühelos eine Geschwindigkeit erreichen, bei der ein Sturz erhebliche Folgen haben kann.
Gerade das Anfahren kann ungeübte Fahrerinnen und Fahrer überraschen. Hinzu kommen ungewohnte Fahreigenschaften durch das höhere Gewicht des Fahrrads. In engen Situationen, beim Ausweichen, Bremsen oder Anhalten muss das Rad sicher beherrscht werden.
Die Kreispolizeibehörde Borken hat bereits vor Jahren auf die besondere Situation älterer Pedelec-Fahrer hingewiesen. Als mögliche Risikofaktoren nennt sie unter anderem eine verzögerte Reaktionszeit, eine nachlassende Wahrnehmung, einen verminderten Gleichgewichtssinn und eine größere Gefahr der Überforderung in kritischen Verkehrssituationen. Gerade wenn plötzlich ein Hindernis auftaucht oder ein anderes Fahrzeug die eigene Fahrlinie kreuzt, können Sekundenbruchteile entscheidend sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ältere Menschen grundsätzlich ungeeignet für das Pedelec sind. Im Gegenteil: Das Pedelec kann gerade im höheren Alter einen wichtigen Beitrag zur selbstständigen Mobilität leisten. Entscheidend sind Übung, eine realistische Selbsteinschätzung und eine dem eigenen Können angepasste Fahrweise.
Die gefährlichste Situation ist häufig der Sturz
Bei einem Unfall ist nicht unbedingt die Kollision mit einem Auto die größte Gefahr. Auch ein scheinbar harmloser Alleinunfall kann schwere Verletzungen verursachen. Die Polizei verweist in ihrer Verkehrssicherheitsarbeit darauf, dass insbesondere ältere Menschen bei einem Sturz häufig unkontrolliert zu Boden fallen. Kopfverletzungen können die Folge sein.
Auch bundesweit zeigt sich, wie gravierend die Folgen sein können: Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass Pedelec-Unfälle häufiger tödlich enden als Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern. Ein wesentlicher Grund dafür ist das höhere Alter vieler Verunglückter. Ältere Menschen tragen bei Stürzen ein größeres Risiko für schwere oder tödliche Verletzungen.
Umso wichtiger ist es, das persönliche Verletzungsrisiko so weit wie möglich zu reduzieren.
Der Helm gehört dazu
Für normale Pedelecs mit einer Tretunterstützung bis 25 km/h besteht in Deutschland keine gesetzliche Helmpflicht. Trotzdem sollte niemand darauf verzichten. Ein Fahrradhelm kann zwar keinen Unfall verhindern. Er kann aber bei einem Sturz den Kopf schützen und die Schwere einer Verletzung reduzieren. Besonders für ältere Menschen ist das ein wichtiger Sicherheitsfaktor.
Wer aufs Pedelec steigt, sollte deshalb nicht erst darüber nachdenken, ob ein Helm „nötig“ ist. Er sollte selbstverständlich dazugehören – genauso wie das Anschnallen im Auto. Dabei kommt es auch auf die richtige Passform an. Der Helm muss gut sitzen, darf nicht verrutschen und sollte korrekt eingestellt werden. Ein schlecht sitzender Helm bietet im Ernstfall deutlich weniger Schutz. Leider begegnen wir im Alltag immer wieder viele Radfahrende, die ohne diese wichtige Schutzausrüstung unterwegs sind.
Nicht nur der Kopf braucht Schutz
Sicherheit beginnt allerdings nicht beim Helm und endet auch nicht dort. Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, sollte auf funktionale und gut sichtbare Kleidung achten. Helle oder reflektierende Kleidung erhöht die Wahrnehmbarkeit im Straßenverkehr. Besonders bei Dämmerung, schlechtem Wetter oder in der dunklen Jahreszeit, die nicht mehr lange auf sich warten lässt, können reflektierende Elemente einen entscheidenden Unterschied machen. Empfehlenswert sind zudem Handschuhe, festes Schuhwerk und Kleidung, die nicht in Kette, Speichen oder Pedale geraten kann.
Denn Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer gehören zu den besonders ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Anders als Autofahrer verfügen sie weder über eine schützende Karosserie noch über Sicherheitsgurte oder Airbags.
Übung ist keine Frage des Alters
Wer zum ersten Mal auf ein Pedelec steigt oder nach längerer Pause wieder damit fährt, sollte sich Zeit nehmen. Ein leerer Parkplatz oder ein ruhiger Verkehrsübungsplatz bietet die Möglichkeit, Anfahren, Bremsen, Kurvenfahren und Ausweichen ohne den Stress des Straßenverkehrs zu trainieren.
Gerade das kontrollierte Abbremsen und Anhalten sollte geübt werden. Ebenso wichtig ist es, die Unterstützung des Motors kennenzulernen. Wer sein Fahrrad und dessen Fahrverhalten sicher beherrscht, kann in einer kritischen Situation wesentlich souveräner reagieren.
Der Kreis Borken setzt deshalb unter anderem auf spezielle Pedelec-Praxiskurse für ältere Menschen. Solche Angebote können helfen, Unsicherheiten abzubauen und die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.
Sicher unterwegs im Kreis Borken
Der Kreis Borken gehört zu einer Region, in der das Fahrrad traditionell eine große Rolle spielt. Entsprechend wichtig ist die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer. Die aktuellen Unfallzahlen machen deutlich, dass gerade die Gruppe der Pedelec-Nutzer besondere Aufmerksamkeit verdient.
2024 wurden im Kreis Borken insgesamt 1.526 Unfälle mit Personenschaden registriert. Dabei wurden 1.843 Menschen verletzt, 238 davon schwer. Unter den Verunglückten waren 781 Personen, die mit einem Fahrrad unterwegs waren; in dieser Statistik sind Pedelecs eingeschlossen.
Die Entwicklung ist damit nicht nur eine Angelegenheit der Polizei oder der Verkehrsplanung. Sie betrifft jeden, der mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs ist – und ebenso die übrigen Verkehrsteilnehmer.
Verantwortung beginnt vor der ersten Fahrt
Ein sicherer Pedelec-Alltag lässt sich mit wenigen einfachen Regeln unterstützen:
Helm aufsetzen. Auch wenn keine gesetzliche Helmpflicht besteht.
Sichtbar sein. Helle Kleidung und reflektierende Elemente helfen anderen Verkehrsteilnehmern, Radfahrer frühzeitig zu erkennen.
Das Fahrrad beherrschen. Bremsen, Anfahren, Kurvenfahren und Ausweichen sollten sicher funktionieren.
Geschwindigkeit anpassen. Nicht jede Strecke und nicht jede Verkehrssituation eignet sich für die maximale Unterstützung.
Abstand halten und aufmerksam fahren. Kreuzungen, Einmündungen und Abbiegesituationen gehören zu den besonders kritischen Bereichen.
Das eigene Können realistisch einschätzen. Unsicherheit ist kein Zeichen von Schwäche. Wer sich mit einer Situation überfordert fühlt, sollte lieber abbremsen oder anhalten.
Regelmäßig trainieren. Gerade nach längeren Fahrpausen lohnt sich eine Auffrischung der Fahrpraxis.
Das Pedelec ist eine hervorragende Möglichkeit, auch im höheren Alter mobil und aktiv zu bleiben. Es soll deshalb nicht Angst machen, sondern sicher genutzt werden. Doch wer mit 25 Stundenkilometern und mehr über einen Radweg fährt, sollte sich bewusst sein: Ein Pedelec ist kein Spielzeug. Bei einem Sturz wirken erhebliche Kräfte.
Ein Helm, gut sichtbare Kleidung und eine sichere Fahrweise können keinen Unfall verhindern. Sie können aber dazu beitragen, dass aus einem Sturz keine lebensbedrohliche Verletzung wird.
Sicherheit beginnt deshalb nicht erst im Moment des Unfalls – sondern bereits beim Aufsetzen des Helms, beim Griff zum Schlüssel und bei der Frage: Bin ich für diese Fahrt wirklich gut vorbereitet?
Hinweis: Beitrag enthält KI-generierte Inhalte





